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Der Countdown läuft

Wiedereröffnung des Tabakmuseums im Spätherbst / Hurlbrinksches Haus geöffnet

Bericht der NW Bünde am 15.1.2010 von Dieter Schnase (Text) und Patrick Menzel (Foto)

Die Durststrecke für die Besucher hat bereits Mitte vergangenen Jahres mit der Sanierung des Dobergmuseums begonnen – ab nächster Woche wird auch im Striedieckschen Hof erst einmal der Schlüssel umgedreht. Der Grund: Es wird damit begonnen, die neue Dauerausstellung des Tabakmuseums einzubauen. Was in dem restaurierten Fachwerkgebäude passiert und worauf sich die Besucher schon freuen können, erläuterte Museumsleiter Michael Strauß gestern im Beisein von Bürgermeister Wolfgang Koch und Wirtschaftsförderer Hartmut Bokel der Presse.

Auf dem Foto rechts entstaubt Museumstechniker Ulrich Franzrahe vorsichtig die Werbefigur eines Zigarrenherstellers, ein Exponat der neuen Dauerausstellung.

Sechs bis acht Wochen bleibt das Tabakmuseum ab Dienstag komplett geschlossen – allenfalls Schulklassen können nach Absprache reinschauen. Danach ist nach Worten des Museumsleiters eventuell tageweise wieder ein Besuch möglich. Strauß rechnet damit, dass im Oktober/November die Dauerausstellung steht. „Dann ist das Dobergmuseum wahrscheinlich noch nicht fertig.“ Das marode Gebäude auf der Museumsinsel wird bekanntlich von Grund auf saniert.

Das Hurlbrinksche Haus auf dem Grundstück der Bünder Museumsinsel ist ein ehemaliges Handwerker- und Ackerbürgerhaus mit Krämerladen und Schusterwerkstatt. Das Gebäude berichtet zusammen mit seiner übrigen Einrichtung vom Leben und Arbeiten in der Zeit um das Jahr 1800. Es ist als einziges Gebäude während der Einrichtung des Tabakmuseums im Striedieckschen Hof und der Sanierung des Dobergmuseus geöffnet – dienstags bis freitags von 14 bis 19 Uhr sowie samstags und sonntags von 11 bis 19 Uhr. Im Spieker aus dem Jahre 1797 wird die Ausstellung „Vom Flachs zum Leinen präsentiert“.

Die Wiedereröffnung des Tabakmuseums möchte Bürgermeister Wolfgang Koch groß feiern. Der erste Teil der Dauerausstellung – die Regionalgeschichte des Tabaks – ist schon im Obergeschoss zu sehen. Und der Countdown für den zweiten Teil läuft bereits, im Untergeschoss ist schon eine Werkstatt in Betrieb. Mit der Einrichtung des Museums wurde die Firma Zerbes beauftragt, sie war laut Hartmut Bokel nach der Ausschreibung aus zuletzt noch acht Unternehmen ausgewählt worden. Rund eine halbe Million Euro werde die Installation kosten, das sei „vergleichsweise günstig“. „Die Museumsleitung hat schon viel geleistet und die Vorentwürfe erstellt“, so Bokel. Das Iserlohner Unternehmen sei vor allem für die Ausführungsplanung zuständig. Michael Strauß dankte seinen Mitarbeitern für die Bereitschaft, weiter kräftig mit anzupacken.

Muskelkraft war schon gestern gefragt, als eine provisorische Wand im Untergeschoss abmontiert wurde. In dem kleinen Raum dahinter sollen unter anderem Schnupftabak und Zigaretten gezeigt werden, während Michael Strauß im großen Raum davor die allgemeine Kulturgeschichte des Tabaks präsentieren will – „auch Inszenierungen und interaktive Dinge“. „Nostalgiker kommen hier auf ihre Kosten.“

Während oben die Regionalgeschichte gezeigt wird, will das Museum sich unten auf den Tabakanbau konzentrieren. Der Maschinenentwicklung wird Raum gegeben und auch der Bereich Rauchen und Gesundheit kommt nicht zu kurz. Strauß: „Wir werden dieses Thema aber nicht dogmatisch darstellen.“

Neue Westfälische Bünder Tageblatt, Freitag 15. Januar 2010

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Provisorium wird wieder Tabakmuseum

Dauerausstellung wird in den nächsten Wochen aufgebaut - Einrichtung schließt Dienstag

Bericht der BZ Bünde am 15.1.2010 von Hilko Raske (Text und Fotos)

Das Deutsche Tabakmuseum Bünde schließt für mehrere Monate. Der Grund: In den kommenden Wochen wollen Museumschef Michael Strauss und Team die Dauerausstellung zum Thema Tabak komplett aufbauen. Bislang werden im sanierten Museumsgebäude einige wenige Räume genutzt, nur ein Bruchteil der Exponate ist überhaupt zu sehen. Das soll sich ändern.

Der Startschuss fällt am kommenden Dienstag. »Wenn die Dauerausstellung vollständig ist, werden wir auf etwa 600 Quadratmetern mehr als 1000 Exponate zeigen können«, freut sich Strauss auf die nächsten Wochen. 500 000 Euro werden dafür veranschlagt. »Das ist vergleichsweise günstig«, betont Strauss. Pro Quadratmeter neuer Ausstellung in einem Museum rechne beispielsweise der Landschaftsverband mit 1000 bis 2000 Euro. »Damit liegen wir noch deutlich unter dem Minimum.« Den Zuschlag dafür hat eine Fachfirma aus Iserlohn erhalten. »Wir haben das europaweit ausgeschrieben. 50 Firmen haben sich um den Auftrag beworben, acht sind in die engere Wahl gekommen. Die Iserlohner haben sowohl vom Preis als auch der Umsetzung her überzeugt«, führt Strauss aus. Finanziert wird das Ganze von der Stadt Bünde, die Träger der Museumsinsel ist. Geöffnet wird in den kommenden Wochen deshalb nur das heimatkundliche »Hurlbrinksche Haus« sein. Die neue Ausstellung setzt sich mit verschiedenen Aspekten des Tabaks auseinander. Neben dem allgemeinen kulturgeschichtlichen Aspekt - wie kam der Tabak nach Europa, weshalb wurde Rauchen populär? - sollen auch die historischen und wirtschaftlichen Folgen des Importtabaks gezeigt werden. »Dafür eignet sich natürlich ganz besonders Bünde als die deutsche Zigarrenstadt.« Doch damit nicht genug. Als Deutsches Tabakmuseum will man sich auch mit dem Tabakanbau in Deutschland auseinandersetzen. Hier spielt die Verarbeitung des Tabaks und die Herstellung von Zigarren und Zigaretten eine wichtige Rolle. »Wir wollen die Entwicklung der Maschinen zeigen, mit denen aus Tabak Zigarren hergestellt werden.«

So stelle die Firma Arnold André eine Komplettmaschine zur Verfügung. Ganz zeitgemäß will das Museum auch auf Tabakwerbung und die gesundheitlichen Folgen des Tabakkonsums eingehen. »Geplant ist auch ein Raucherraum. Besucher sind hier deutlich zu sehen und werden somit zu einem Bestandteil der Ausstellung.«

Daneben solle es in Verbindung mit dem angrenzenden Dobergmuseum - wenn die laufenden Sanierungsarbeiten hier abgeschlossen sind - natürlich auch wechselnde Ausstellungen geben. »Zum Auftakt vielleicht eine Weltraumausstellung. Die Erde aus dem All gesehen mit all ihren geologischen Aspekten und den Menschen, die es als einziges Wesen geschafft haben, das Schwerefeld der Erde zu verlassen.« Feiern will die Stadt die Eröffnung der Dauerausstellung mit einem Museumsfest. »Wir wollen die Anlage wieder ins Bewusstsein der Bünder rufen«, erklärte Bürgermeister Wolfgang Koch, der sich vor Ort über die Planung informierte.

Zur Geschichte des Tabakmuseums: Am 9. Mai 1937 wurde das Tabakmuseum im Hauptgebäude des Striedieckschen Hofes eröffnet. Bis 1930 wurden hier Zigarren hergestellt. Langjähriger ehrenamtlicher Leiter des Museums war Friedrich Langewiesche. Besitzer des Hofs, der 1830 erbaut wurde, war der Zigarrenfabrikant Paul Hermann Striedieck. Er verpachtete das Gebäude zunächst für zehn Jahre an die Stadt Bünde. Daraufhin schlossen der Kreis Herford und die Stadt einen Vertrag, in dem der Kreis den Standort Bünde und Striediecks Hof als Sitz des Museums garantierte. Er verpflichtete sich, das Museum auszubauen und einen »Pfleger« zu bestellen. Die Sammlungen sollten in sieben Zimmern des Striedieckschen Hofs untergebracht werden, als Magazin war der »halbe Bodenraum« behelfsmäßig einzurichten. Das Tabakmuseum bestand 1937 nur aus 62 Quadratmetern und beschäftige sich mit Kultur, Wirtschaft, Statistik und Heimatkunde. Von 2005 bis 2007 wurde das Gebäude für 1,5 Millionen Euro aus Mitteln des Kreises Herford umfassend saniert.

Westfalen-Blatt Bünder Zeitung, Freitag 15. Januar 2010

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Rauchend in den Krieg

Zigarrenbehälter vor fast 100 Jahren als Offiziersausrüstung mit an der Front

Bericht der NW Bünde von Dieter Schnase (Foto: Patrick Menzel)

Eher unscheinbar und schon reichlich abgegriffen wirkt das Exponat, das ein Hagener Bürger jetzt dem Bünder Museum zur Verfügung gestellt hat. Der knapp 100 Jahre alte Zigarrenhalter aus Leder, den Roger Hillen als Vorsitzender des Fördervereins Dobergmuseum gestern an Museumsleiter Michael Strauß übergab, ist für diesen „historisch sehr spannend“, bereichert er doch die geplante Darstellung der Geschichte des Tabaks im Striedieckschen Hof.

Zigarrenhalter wie dieser wurden nach Worten von Michael Strauß zur Zeit des Ersten Weltkrieges (1914-18) offensichtlich fabrikmäßig für Offiziere hergestellt, die damit ins Feld zogen und so nicht auf den blauen Dunst verzichten mussten. Das Etui, in dem 20 bis 25 Zigarren mit Hilfe einer Federspannung sicher untergebracht werden können, hat Fritz Gerhard Beens in seinem Haus in Hagen gefunden. Es muss wohl dem Großvater des früheren Eigentümers gehört werden. Ob der Deutscher oder Engländer war, ließ sich nicht genauer klären.

„Das Rauchen hat sich durch die Kriege ausgebreitet“, weiß Michael Strauß. Damit gehört dieses Kapitel zur Darstellung der Tabakgeschichte allgemein. Einen regionalen Bezug sieht er darin, dass auch Bünder Zigarrenfabriken seinerzeit ihre gerollten Produkte an die Front lieferten. Dem einfachen Soldaten war solcher Rauchgenuss indes verwehrt – hier spielt die Zigarette als „billiges Produkt für eine kleine Auszeit“, so der Museumsleiter, aber eine nicht minder wichtige Rolle. „Das Image des rauchenden Soldaten ist weithin bekannt.“ Nicht erst seit dem Ersten Weltkrieg gibt es die Verbindung zum Rauchen. Schon im Dreißigjährigen Krieg (1618-48) sei geraucht worden, später dann in den napoleonischen Kriegen.

„Tabak ist wichtiger als tägliches Brot. Wir brauchen sofort tausend Tonnen davon“, wird General Pershing, Befehlshaber der US-Streitkräfte im Ersten Weltkrieg, zitiert. Zigaretten, so Michael Strauß, würden das Hungergefühl bekämpfen und über Botenstoffe verfügen, die offenbar beruhigend auf die Soldaten wirkten. Das wussten wohl schon die Indianer, die Tabak in Maisblättern, Vorläufer der heutigen Zigaretten, qualmten. Die regionale Geschichte des Tabaks ist bereits im Obergeschoss des Museums zu sehen, die allgemeine Geschichte soll ab diesem Jahres im Erdgeschoss folgen. Der Zigarrenhalter bleibt solange unter Verschluss.

(Neue Westfälische Bünder Tageblatt, Donnerstag 5. Februar 2009)

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Ein wesentlicher Teil der künftigen Dauerausstellung des Deutschen Tabak- und Zigarrenmuseums, das nach der Sanierung des „Striedieckschen Hof" dort wieder einziehen wird, widmet sich der Geschichte der heimischen Tabakindustrie. Auch das Rauchen an sich und seine Gefahren für die Gesundheit werden thematisiert.

Die aktuelle Diskussion um die Folgen des Nichtrauchergesetzes für Gaststätten greift der folgende Artikel der Neuen Westfälischen Bünder Tageblatt vom 9. Januar 2008 auf:

Hohe Umsatzeinbußen befürchtet

Heimische Tabakindustrie sieht Nichtrauchergesetz für Gaststätten skeptisch entgegen

Bericht der NW Bünde vom 9.1.08 von Tobias Heyer (Text und Fotos)

Kneipiers trennen Raucherloungen in ihren Gastronomiebetrieben ab, Nichtraucher freuen sich über unverqualmtes Essen und auch die heimische Tabakindustrie reagiert auf das Nichtrauchergesetz. Doch hier hält sich die Freude in Grenzen.

Flinke Hände: Viel Handarbeit – wie hier bei Arnold André – ist notwendig, um aus Tabak fertige Zigarillos zu produzieren. 1,1 Milliarden Zigarren und Zigarillos werden bundesweit pro Jahr geraucht, die Tendenz ist allerdings fallend.

„Für uns bedeutet das Gesetz Umsatzeinbußen im zweistelligen Bereich“, erklärt Thomas Strickrock, geschäftsführender Gesellschafter bei Woermann Cigars in Ostkilver. Dabei scheint sich das neue Gesetz auf den ersten Blick an Zigarettenraucher zu wenden. „Aber nach einem sehr guten Essen gibt es viele Zigarrenraucher, die dann ihrem Hobby frönen und sich eine kostbare Zigarre anstecken wollen“, sagt Strickrock.

Durch die Regelung, dass in Gastronomiebetrieben nur noch in seperaten Räumen geraucht werden darf, „fehlen auch dem Zigarren- oder Zigarillogenießer Zeit und Raum“, so der Gesellschafter von Woermann Cigars. Denn für einen Zigarillo sollte man sich schon Zeit nehmen, und wenn es „eine schwere Churchill ist, kann es schon einmal zwei Stunden dauern, bis die aufgeraucht ist“, rechnet Thomas Strickrock vor.

„Der Zigarrenraucher ist meist finanziell gut situiert“, sagt der Zigarrenproduzent, „der will einfach nur vor Ort genießen und nicht nach dem Essen in eine Raucherecke umziehen“.

Dabei kann Strickrock den Anlass zu dem neuen Gesetz sehr gut verstehen. „Ich möchte auch nicht, dass mir jemand Rauch ins Gesicht bläst, wenn ich esse. Das sehen glaube ich alle Tabakproduzenten so“. Doch gegen 22.30 Uhr werde nirgendwo mehr Essen serviert, „spätestens dann müsste es doch möglich sein, nachzufragen, ob es störe, wenn man sich eine ansteckt“, wünscht sich Strickrock. 1,1 Milliarden Zigarillos und Zigarren gehen jährlich bundesweit über den Ladentisch. Und diese Zahl wird durch das neue Gesetz sinken, da ist sich die Branche sicher. Doch nicht nur die Zigarrenhersteller sind von dem neuen Gesetz betroffen, „Die Bierindustrie verzeichnet jetzt schon sinkende Absatzzahlen, da kann man noch so viele Umfragen und Statistiken hervor holen, das ist Fakt“, so Strickrock.

Auch Peter Reiter, Marketingleiter bei der Bünder Zigarrenfabrik Arnold André, sieht Umsatzeinbußen voraus. „Aber ich gehe davon aus, dass sich das in zwei Jahren wieder egalisiert“, so Reiter, das zeigten Vergleiche mit anderen Ländern. Vielleicht gebe es aber auch Gastronomiebetriebe, die gerade jetzt die Chance ergriffen und sich auf Raucher spezialisierten. „Zeit bedeutet in der Kneipe Umsatz“, und den werden sich die Gastronomiebetreiber nicht nehmen lassen, so Peter Reiter.

Auf die Idee, kleinere Zigarren oder Zigarillos herzustellen, um die Zeit in der Kälte vor der Kneipe zu verkürzen, kommt kein heimisches Unternehmen. „Das ist Kokolores, das will keiner“, ist sich Peter Reiter sicher.

Flinke Hände: Viel Handarbeit – wie hier bei Arnold André – ist notwendig, um aus Tabak fertige Zigarillos zu produzieren. 1,1 Milliarden Zigarren und Zigarillos werden bundesweit pro Jahr geraucht, die Tendenz ist allerdings fallend.

Auf neues Gesetz reagieren: In gastronomischen Betrieben wird es schwieriger, Zigarren zu genießen. Die heimische Tabakindustrie setzt deshalb verstärkt auf den Raucher in den eigenen vier Wänden oder auf Zigarrenhändler, die Raucherräume für ihre Kunden einrichten.

(Neue Westfälische Bünder Tageblatt, Mittwoch 9. Januar 2008)

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