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Etwas Licht am Ende des Tunnels

Im Wirtschaftsförderungsausschuss wird 50:50-Aufteilung beraten

Bericht der NW am 24. August 2007 von Tobias Heyer (Text und Fotos)

Lange wurde spekuliert. Aber echte Vorschläge, wie die finanzielle Zukunft des Dobergmuseums aussehen soll, gab es zumindest von Seiten der Stadt Bünde nicht. Jetzt liegt erstmals ein Beschlussvorschlag der Verwaltung vor.

In der öffentlichen Sitzung des Ausschusses für Wirtschaftsförderung am 29. August soll dieser vorgestellt werden. Angedacht ist, dass die Stadt Bünde zum 1. Januar 2009 die Trägerschaft für die gesamte Museumsinsel übernimmt und sich gleichzeitig an den Kosten für den Betrieb mit 50 Prozent beteiligt.

„Das ist wenigstens ein Zeichen dafür, dass der Schwebezustand beendet ist“, sagt Wilfried Bockhorst, zuständiger Dezernent beim Kreis. Ob dieser Vorschlag, der gleichzeitig die Verhandlungsgrundlage der Stadt darstellen soll, bei den Kreispolitikern auf Gegenliebe trifft, ist indes ungewiss.

„Es war ja so, dass die Politik gesagt hat, dass es so nicht weiter geht. Dass die Reißleine gezogen werden muss“, sagt Bockhorst rückblickend. Da Bünde den Standortvorteil hat, forderten die Kreispolitiker deshalb eine Kostenteilung von 30 (Kreis) zu 70 (Stadt Bünde).

Doch nicht nur die Zahlen dürften für Diskussionsstoff im Kreistag sorgen. Denn gekoppelt an das finanzielle Angebot ist die Übernahme der Trägerschaft. Scharf formuliert bedeutet dies, dass die Stadt dem Kreis die Trägerschaft abkaufen möchte. „Und ob das im Kreis gewollt ist, ist fraglich“, so Bockhorst.

Doch mit der Trägerschaft ginge an die Stadt nicht nur das Recht über, inhaltlich stärker eingreifen zu können. „Dabei bestand diese Möglichkeit über den Beirat immer – wurde von der Stadt aber nie genutzt“, so Bockhorst. Gleichzeitig würde die Stadt Bünde als Träger bei zukünftigen Sanierungskosten in die Pflicht genommen. Die dürften nicht mehr über Kredite, sondern müssten direkt aus der Stadtkasse finanziert werden.

Derzeit regnet es wieder durch das marode Dach ins Dobergmuseum, während nebenan im Obergeschoss des Tabakmuseums die Restaurierungsarbeiten fast abgeschlossen sind.

Wie und wann es mit dem Leben auf der Museumsinsel weiter geht, ist trotz der Beschlussvorlage ungeklärt. „Wenn es gut läuft und die Ausschreibungen erfolgreich abgeschlossen sind, dann kann vielleicht im November die Sanierung des Dobergmuseums los gehen“, rechnet Strauß vor. Dann wird das Museum „zwei bis drei Monate geschlossen sein“, sagt der Museumsleiter. Und da es bis dahin wohl keine Einigung im Streit um die Finanzierung der Gesamtkosten geben wird, steht dann auch das Tabakmuseum leer. Aber Michael Strauß hat vorgearbeitet. „Es will keiner, dass auf der Museumsinsel gar nichts zu sehen ist“, so Strauß. Also erarbeitet er eine improvisierte Ausstellung, die sich auch im noch leeren Tabakmuseum zeigen ließe.Geht es voran? Im Obergeschoss des Tabakmuseums sind die Restaurierungsarbeiten fast abgeschlossen. Wer hier zukünftig Kosten und Trägerschaft übernimmt, ist aber ungewiss.

(Neue Westfälische Bünder Tageblatt, Freitag 24. August 2007)


Stadt will Trägerschaft über Museen

Die Hälfte der Betriebskosten soll der Kreis Herford übernehmen

Bericht der BZ am 24. August 2007 von Rainer Grotjohann

Die Verwaltungsspitze bleibt dabei, sie will die Museumsinsel in die Trägerschaft der Stadt Bünde übergeht. Gleichzeitig will sie den Kostenanteil der Stadt für den Betrieb der Museen auf 50 Prozent beschränken, den Rest soll der Kreis tragen.

Ein entsprechender Beschlussvorschlag der Verwaltung liegt den Mitgliedern des Ausschusses für Wirtschaftsförderung vor. Das Gremium tritt am kommenden Mittwoch zusammen. Die Übernahme der Trägerschaft wäre frühestens zum 1. Januar 2009 möglich. Zu diesem Zeitpunkt endet der vom Kreis Herford gekündigte Vertrag über Kostenverteilung und Trägerschaft.

Nach diesem Vertragswerk muss der Kreis die Kosten tragen, die durch den Betrieb der Museen entstehen. Dazu gehören nicht zuletzt die Instandsetzung und Instandhaltung der Gebäude und deren technischer Einrichtung. Bislang ist der Anteil der Stadt, wie mehrfach berichtet, auf 235 000 Euro beschränkt. Für die Jahre 2007 bis 2009 liegen die Kosten jedoch bei jeweils gut einer Million Euro. Das ist deutlich mehr als in den beiden Vorjahren, denn: Die fast abgeschlossene Sanierung von Striedieck's Hof und die geplante Sanierung der Bauruine Doberg-Museum treibt den Zuschussbedarf in die Höhe. Deshalb besteht der Kreis Herford auf einer für ihn künftig kostengünstigeren Lösung.

Im Zuge der seit Monaten laufenden Verhandlungen hat die Landrätin im Juni auf Beschluss des Kreistages folgende Kostenverteilung vorgeschlagen: 70 Prozent Stadt Bünde, 30 Prozent Kreis Herford. Begründet wurde dies mit der Lage der Museumsinsel im Stadtkern Bünde und der besonderen Bindung Bündes an seine Museen (Tabakmuseen, Doberg-Funde). Bei dieser Lösung bliebe es bei der Trägerschaft des Kreises Herford.

Befürchtet wird jedoch, dass noch nicht absehbare Kostensteigerungen bei der Sanierung des Doberg-Museums anstehen, und die will sich die Stadtverwaltung eben nicht zu 70 Prozent ans Bein binden. Außerdem verspricht sie sich durch die Übernahme der Trägerschaft direkte Einflussnahme auf die Museumsarbeit. Die Bewirtschaftung der Bauten könnte durch das Städtische Gebäudemanagement übernehmen. Das verspreche Einsparungen, führe gleichzeitig aber zu erheblichem Verwaltungsaufwand, heißt es in der Vorlage.

(Bünder Zeitung, Freitag 24. August 2007)


Bürgermeisterin strebt Trägerschaft des Museums an

Das Angebot des Kreises soll nachverhandelt werden

Bericht der NW am 22. Juni 2007 von Thorsten Gödecker

Der Brief ist da. Nun weiß Bürgermeisterin Anett Kleine-Döpke-Güse offiziell, dass der Kreis Herford nur noch 30 Prozent der auf rund eine Million Euro pro Jahr bezifferten Unterhaltungskosten der Museumsinsel zu tragen gedenkt (die NW berichtete exklusiv).

Doch die Nachricht, die das Bünder Rathaus am Dienstag erreicht hat, gefällt der Bürgermeisterin nicht: "Die politische Sommerpause wird die Verwaltung nutzen, um das Angebot des Kreises zu verhandeln.“ Die Schmerzgrenze der Verwaltungschefin liegt bei der Kostenteilung. Jetzt zahlt die Stadt rund ein Viertel der Betriebskosten. "Wenn wir wesentlich mehr zahlen sollen, dann möchten wir allerdings die Trägerschaft.“

Dass die Kommunikation zwischen Kreis und Stadt nicht nur bei der Übermittlung von Briefen hakt, räumt Kleine-Döpke-Güse ein: "Mich hat niemand vom Kreis über den Wassereinbruch in das Doberg-Museum informiert.“ Kopfschütteln löst das gestörte Miteinander von Kreis und Stadt bei SPD-Fraktionschef Horst Beck aus, wie er mitteilte. Während die prähistorische Seekuh aus der Doberg-Sammlung bald im Museum schwimmen kann, schrieben sich die Verantwortlichen Briefe "wie im Zeitalter der Postkutsche“. Beck stellt in Frage, ob die Bünder CDU das Doberg-Museum überhaupt erhalten wolle.

Armin Kuschel, Fraktionsvorsitzender der Unabhängigen Wählergemeinschaft, hatte im Rat erklärt, dass seine Fraktion das Doberg-Museum "zur Zeit noch nicht einreißen will“

Kleine-Döpke-Güse erkennt in Bünde eine kritische Distanz zum Doberg-Museum. Ein Beleg für sie sind die mageren Besucherzahlen. Der Kreis derer, die sich für das Haus einsetze, sei überschaubar. Für die Bürgermeisterin ist das Doberg-Museum "ein Fass ohne Boden“, das so mit Baumängel belastet sei, dass sich immer dann, wenn ein Loch geschlossen werde, ein neues sich auftue. Für sie liegt die Ursache des Übels in der Arbeit des Architekten Dieter Qiram. Der hatte den bundesweiten Wettbewerb für das 1999 eröffnete Museum gewonnen. Später wies ihm das Landgericht Bielefeld schwere planerische und bauliche Fehler nach. "Es regt mich maßlos auf, dass der Steuerzahler herhalten muss, weil der Architekt Mist gebaut hat.“ Qiram lehrt heute als Professor Architektur an der Universität Bremen.

(Neue Westfälische Bünder Tageblatt, Freitag 22. Juni 2007)