"Gruß aus Bünde!"
Postkartenausstellung im Museum Bünde
von Juni bis September 2008 fand großes
Interesse
Postkarten bedeuten für Menschen nicht nur "liebe Grüße aus dem Urlaub". Bedruckte, bemalte oder beflockte Karten sind immer auch ein Zeugnis der Zeit und der Lebensumstände, erzählen Geschichten von Freud und Leid und Veränderung.
Das Museum Bünde widmet diesem bedeutsamen Stück Papier eine Ausstellung. Bis zum 1. September sind im Striedieckschen Hof (Tabakmuseum) ausgewählte Exponate zu sehen, die überwiegend aus dem Bestand des Stadtarchivs Bünde und der Privatsammlung Reinhard Schürmann stammen.
Der Förderverein Dobergmuseum hat, unterstützt durch ein Sponsoring der Sparkasse Herford, eine Serie von 8 Postkarten mit Motiven aus der Zeit von ca. 1900 bis 1970 herausgegeben, sie ist im Museum und im Bünder Buchhandel im Set für 4,50 € erhältlich. Mit dem Erlös wird die Arbeit des Dobergmuseums unterstützt. ... mehr ...
Führungen, Museumspädagogik
Im Rahmen der Ausstellung bietet das Museum Führungen und museumspädagogische Programme für Kinder und Jugendliche an. Weitere Auskünfte und Anmeldung: Musem Bünde, Fünfhausenstr. 8-12, 32257 Bünde, Telefon (0 52 23) 79 33 00.
Zur Geschichte der Postkarte
von Johannes Großewinkelmann
Der Versand offener Mitteilungen auf Postkarten scheint uns heute vollkommen selbstverständlich. Vor ca. 150 Jahren wäre er jedoch ganz undenkbar gewesen. Mitteilungen, die man Kurieren, Boten oder schließlich der Post gegen verhältnismäßig hohes Entgelt anvertraute, wären viel zu wichtig, geheim oder persönlich gewesen, als dass man sie den Blicken Unbefugter hätte offen legen wollen.
Dieses änderte sich erst, als immer mehr Menschen durch die Einführung der Schulpflicht in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts Lesen und Schreiben lernten. Die Entwicklung des Eisenbahnnetzes verbilligte den Postverkehr und führte dazu, dass immer mehr Briefe geschrieben und befördert wurden. Zunehmend wurden Briefe verschickt, die für Absender und Empfänger sicherlich private Nachrichten, für neugierige Dritte aber belanglose Informationen enthielten.
Um die Flut der Briefnachrichten besser bewältigen zu können, schlug der spätere Generalpostmeister des Deutschen Reiches, Heinrich von Stephan, schon 1865 die Einführung eines offen zu versendenden „Postblattes“ vor. Der Vorschlag des Generalpostmeisters wurde zunächst abgelehnt. Eingeführt wurde stattdessen am 1. Oktober 1869 eine „Correspondenzkarte“ durch die österreichische Postverwaltung. Diese Karte war zunächst etwas kleiner als die heute übliche Postkarte im A 6-Format. 1870 wurde die Postkarte dann auch im Deutschen Reich durch die Länder Bayern, Württemberg und Baden eingeführt. Die vorgedruckte Seite durfte nur mit der Anschrift des Empfängers beschrieben werden. Nur die freie Seite war für Mitteilungen vorgesehen. Versandt wurden zunächst nur die von der Postverwaltung herausgegebenen Vordrucke der Korrespondenzkarte. Erst ab 1872 wurden auch privatwirtschaftlich hergestellte und verkaufte Karten für den Postverkehr zugelassen. Zu diesem Zeitpunkte setzt man das Porto für die Postkarte auf das halbe Briefporto fest. Die Preissenkung steigerte die Attraktivität der Postkarte ungemein. Ende der 1870er Jahre wurde die Postkarte auch für den Postverkehr mit dem Ausland zugelassen.
Die Postkarte kam dem Bedürfnis nach genormter kurzer Mitteilung, die wenig Zeit und Überlegung, auch weniger Übung und Gewandtheit im Umgang mit Schrift und Satzbau verlangte, in idealer Weise entgegen. Der Brief erfordert individuellen Stil und persönlich geprägte Ausdrucksfähigkeit, ja auch ein gewisses Maß an Muße für den Schreiber und den Empfänger. Die Postkarte dagegen biete durch das knappe Platzangebot die Möglichkeit, ohne Scheu auf Abkürzungen, Standardwendungen oder Floskeln und Klischees zu beschränken, ohne durch Ungeschicklichkeit das Gesicht zu verlieren. Das Briefeschreiben war vor allem Ausdrucks- und Mitteilungsmittel der Gebildeten. Die Postkarte ermunterte alle, auch die weniger Gebildeten, oder über wenig freie Zeit Verfügenden, schriftlich miteinander in Verbindung zu treten, eine Möglichkeit, die wir heute in Zeiten der Mobiltelephonie gar nicht hoch genug bewerten können. Die Kurzmitteilung ist unterdessen durch die über das Handy verschickte SMS völlig degeneriert.
Schnell avancierte die Postkarte als Feldpostkarte im deutsch-französischen Krieg zur Kommunikationsbrücke zwischen Front und Heimat. Die kostenlos beförderte Feldpostkarte machte rasch große Teile der Bevölkerung - als Schreiber und als Empfänger – mit der brandneuen Korrespondenzmöglichkeit bekannt. So wurden in gut fünf Monaten bis Ende 1870 10 Millionen Feldpostkarten deutscher Soldaten in die Heimat geschickt. Im Ersten Weltkrieg stieg die Zahl der verschickten Feldpostkarten auf 10 Milliarden – nur auf deutscher Seite. Im Zweiten Weltkrieg verdrängte – aus Gründen der Geheimhaltung – der verschlossene Feldpostbrief die Postkarte.
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