"Museum liegt mir am Herzen"
Leserbrief zum Bericht „Aus rund wird eckig“ der NW Bünde vom 4. November 2008
Auch zehn Jahre nach meinem Ausscheiden liegt mir das hiesige Museum am Herzen. Abgesehen davon, dass ich die von der Stadt Bünde zu verantwortende alleinige Trägerschaft für falsch halte, irritiert mich jetzt eine Sitzungsvorlage des Bereichs Wirtschaftsförderung zur „Sanierung“ des Dobergmuseums. Mit der Sanierung befasst sind die Bünder Architekten Flörke und Krys. Vorgestellt werden drei Varianten. Der städtische Beschlussvorschlag favorisiert die Variante 3 des Architekturbüros. Wenn auch die zur Information der Ausschussmitglieder eigentlich unabdingbaren Aufrisse und Ansichten fehlen, geht aus den Grundrissskizzen eindeutig hervor, dass die Stadt die Rotunde als Dominante des Wettbewerbgewinners Professor Quiram aus den 90er Jahren überplanen lässt und so im Erdgeschoss ein völlig neues Museum baut. Das Plazet erfolgt zwar in öffentlicher Sitzung, aber an der Öffentlichkeit vorbei, weil diese weithin nicht informiert ist. Früher hätte man ein solches Vorgehen als Machenschaft gebrandmarkt.
Ich bin gespannt, was die NRW-Stiftung und der Landschaftsverband Westfalen-Lippe, die sich das Museum seinerzeit immerhin mehr als fünf Millionen Deutsche Mark kosten ließen, sowie der Förderverein für das Dobergmuseum als Träger dazu sagen werden.
Dr. Eberhard Pannkoke, 32257 Bünde
(Neue Westfälische Bünder Tageblatt, Donnerstag 6. November 2008)
Dobergmuseum erhalten!
Leserbriefe zum Thema
Völlig unklar ist die zukünftige Trägerschaft des Museums. Am 29.08.2007 präsentierte Bündes Bürgermeisterin Anett Kleine-Döpke-Güse im Wirtschaftsförderungsausschuss zwar einen Lösungsvorschlag, ein Beschluss wurde aber nicht gefasst. Stattdessen befürwortete die UWG sogar einen Abriss des Dobergmuseums. Nach einem Workshop (15.10.2007) und einer weiteren Sitzung des Bünder Wirtschaftsförderungsausschusses (24.10.2007) zeichnen sich Lösungen ab.
... zu Berichten und Kommentaren über die aktuelle Situation der Museumsinsel in Bünde und den Stand der politischen Diskussion ...
Immer wieder meldeten sich Bünder Bürger in Leserbriefen zu Wort. Hier eine Auswahl:
Verhalten des Kreises ungewiss
Ich habe die Berichterstattung um unser Bünder Museum in der Presse aufmerksam verfolgt. Zunächst schien es irgendwie drunter und drüber zu gehen mit Vorschlägen und Konzepten, wobei die Idee der Seekuh im Autohaus ja wohl „dem Fass den Boden ausschlägt“. Offensichtlich aber ist davon inzwischen nicht mehr wirklich die Rede. Vielmehr wird immer deutlicher, wo der Hase eigentlich hinläuft: Übernahme der Trägerschaft durch die Stadt Bünde mit einer Aufteilung der Betriebskosten zu gleichen Teilen für die Stadt und den Kreis Herford – gerade jetzt, wo die Fertigstellung der „ewigen Baustelle“ absehbar ist.
Es scheint zwar lohnend, ein Schiff zu übernehmen, wenn die bisherige Mannschaft es um die gefährlichsten Riffe herum gesteuert hat. Sind tatsächlich aber alle Gefahren abgewendet? Der Kreis Herford stand in der Vergangenheit offenbar bereitwillig für die hohen Betriebskosten ein, die vor allem durch die Sanierung der Gebäude in die Höhe geschnellt waren. Dies tat er, weil es um sein eigenes Museum, ein Kreismuseum ging. Was wird aber geschehen, wenn die Trägerschaft an die Stadt geht und das Bünder Museum zusammen mit diversen anderen Museen im Kreis Herford einfach nur noch ein weiteres Museum in städtischer Trägerschaft ist?
Kann der Kreis es sich dann überhaupt leisten, die Hälfte der Betriebskosten in Bünde zu übernehmen, da doch alle anderen städtischen Museen im Kreis Herford leer ausgehen? Schließlich zahlt der Kreis für das Widukind-Museum in Enger oder das Holzhandwerkermuseum in Hiddenhausen keinen einzigen Cent dazu.
Der Kreis hat schon einen Vertrag aus Kostengründen nach verhältnismäßig kurzer Zeit gekündigt. Was sollte ihn davon abhalten, in ein oder zwei Jahren mit der neuen Regelung genau so zu verfahren und sich endgültig aus dem Museum in Bünde zurückzuziehen? Letztlich wäre seitens des Kreises nur so die Gleichbehandlung aller Museen im Kreisgebiet erreicht.
Jochen Buß, 32257 Bünde
(Neue Westfälische Bünder Tageblatt, Mittwoch 24. Oktober 2007)
Kein Geschichtsbewusstsein
Es macht schon nachdenklich, wenn man als Bürgerin von Bünde erkennen muss, auf welchem Niveau im Stadtrat über die Zukunft des Dobergmuseums diskutiert wird. Vorschläge wie, das ganze Museum abzureißen und die Seekuh in einer Autoausstellung zu präsentieren, zeugen von einem erschreckenden Mangel an Geschichtsbewusstsein.
Sollte es den Ratsvertretern und Vertreterinnen, die zur Zeit mehrheitlich die Entscheidungen fällen, tatsächlich noch nicht ins Bewusstsein gedrungen sein, welchen einmaliger Wert der Fundort Doberg darstellt und wie außergewöhnlich die Exponate sind, die von dort stammen und jetzt im Dobergmuseum trotz der baulichen Mängel auf sehr anschauliche Weise von einem sehr engagierten Museumsleiter und seinen Mitarbeitern präsentiert werden?
Ist ihnen nicht klar, dass eine Verantwortung gegenüber unseren Nachkommen besteht, solche weltweit einmaligen geologischen Beweise der Erdgeschichte zu erhalten und zu zeigen?
Wer wissen will, warum die Exponate so wertvoll sind, kann sich im Internet unter „Dobergmuseum“ informieren.
Unter der Webseite der Stadt Bünde findet man bezeichnenderweise nichts über die Museen, ein weiterer Beweis dafür, das unsere „Regierung“ den Wert nicht erkennt.
Dass bei der Planung und Baubegleitung für das Dobergmuseum grobe Fehler gemacht wurden, steht außer Frage, aber deswegen kann man es doch nicht einfach abreißen und die Exponate irgendwo verstauen wollen. Glücklicherweise stellt sich nun heraus, dass der Abriss mehr als doppelt so teuer würde wie eine Instandsetzung.
Da bei zu vielen Ratsmitgliedern einzig der finanzielle Aspekt die Entscheidung beeinflusst, besteht noch eine Chance, dass die Vernunft siegt und das Museum erhalten bleibt und instand gesetzt wird.
Natürlich wird es sich auch in Zukunft nicht selbst tragen können, aber damit befindet es sich in guter Gesellschaft mit den Museen in aller Welt.
Die Stadt Bünde muss endlich aufhören, das Dobergmuseum mit Negativschlagzeilen in Misskredit zu bringen. Vielmehr muss sein Wert als positiver Standortfaktor herausgestellt werden. Dann kommen auch die Besucher.
Heide Kuhlmann, 32257 Bünde
(Neue Westfälische Bünder Tageblatt, Mittwoch 24. Oktober 2007)
Ein unsäglicher Vorschlag
Es ist wirklich kaum noch zu fassen, wie manche Kreise in unserer Stadt, die mit Geschichtszeugnissen und Kulturgütern wahrlich nicht überreich gesegnet ist, das spärliche Erbe verschleudern wollen. Vorläufiger Höhepunkt: Die Seekuh, eine prähistorische Kostbarkeit, soll wie ein Wanderpokal durch die hiesigen Autohäuser tingeln! Welches Ausmaß an Borniertheit und Ignoranz braucht es eigentlich, einen derart unsäglichen Vorschlag zu unterbreiten? Gute Nacht, Bünde – wenn diese Ausverkaufsmentalität nicht bald ein Ende findet.
Jan Michael Dettmer
32257 Bünde
(Neue Westfälische Bünder Tageblatt, Donnerstag 6. September 2007)
Wer spricht für das Museum?
Eigentlich platzt mir der Kragen angesichts der Abrissmentalität einiger Politiker und dem für mich darin nicht deutlich werdenden Respekt vor der Einmaligkeit dieser Funde und deren Alter, vor dem guten Konzept der Aufarbeitung dieser Funde und der überschaubaren Vielzahl der Exponate. Dieses Museum mit diesen Fundstücken an dieser Stelle im Stadtzentrum hat Sinn und stiftet Sinn.
Ich sehe darin keinen Respekt vor der Geschichte dieses Museums in doppeltem Sinne. Gibt es denn keine intelligentere Lösung für den Erhalt dieses Museums?
Wo sind denn die Stimmen der Bürger, der begeisterten kleinen und großen Museumsbesucher? Vom Kindergartenkind bis zum Großvater, vom Schüler und Ehemaligen aus den zahlreichen Schulklassen und vom Einheimischen bis zum Besucher aus dem Ausland? Die Höhlenausstellung, um nur eine zu nennen, wurde mit viel Einsatz aufgebaut und ich fand sie mit dem Kind, was ich begleitete, beeindruckend.
Meine Idee dazu wäre es, die Bürger öffentlicher an diesem Entwicklungsprozess zu beteiligen. Für mich machte es Sinn aus dem Doberg Museum: Ein Museum für Natur- und Kulturgeschichte zu machen, wo naturgeschichtliche Funde, neue naturwissenschaftliche Erkenntnisse verbunden werden und dem Naturschutz und der Klimapolitik aktiv, in Information, Diskussion, in der Durchführung und Dokumentation von Projekten Raum gegeben wird. Daneben stelle ich mir einen Bereich der Erholung nach dem Museumsbesuch vor.
Ein Teil des Museums ist für die Repräsentation von Erfahrungen und Eindrücken der Museumsbesucher vorgesehen. Ein weiterer Teil könnte ein Raum für Begrüßung, Vorträge, Diskussionen sein. Hier könnten auch kleine Kammerkonzerte und Feiernn stattfinden.
Wo sind die engagierten Politiker, Kaufleute und Firmenvorstände in und um diese Stadt, die mit dem Wissen und den Bildern von diesen Fundschätzen angemessen und respektvoll das Marketing der Stadt und ihrer Firmen gegen die Vergesslichkeit und den Zeitgeist, das alles käuflich ist, zum Ausdruck bringen?
Wir werden nur mit dieser Stadt verbunden sein, wenn sie ein erkennbares und schätzenswertes Gesicht hat und behält.
Ohne Wertschätzung und Gesamtkonzept geht es nicht!
Burkhard Schmidt
32257 Bünde
(Neue Westfälische Bünder Tageblatt, Freitag 7. September 2007)
Das Doberg-Museum erhalten!
Ich bin entsetzt über die Haltung mancher Politiker, die das Doberg-Museum aufgeben und die wertvollen Exponate in die Schaufenster von Autohäusern stellen wollen – aber auch erstaunt darüber, dass sich dagegen bisher so wenig Entrüstung und Widerstand seitens der anderen Kommunalpolitiker und auch der Bürgerschaft zeigt.
Wissen denn so wenige in Bünde, welch einmaliges Naturdenkmal der Doberg ist? Dazu muss man kein Wissenschaftler sein. Eigentlich weiß es jedes Schulkind – nur einige Politiker offenbar nicht.
Im Doberg sind, wie sonst nirgendwo auf der Welt, Spuren des Lebens aus der Tertiär-Zeit vor 24 bis 35 Millionen Jahren als Fossilien erhalten geblieben. Diese Fossilien, allen voran die berühmte Seekuh, aber auch Zahnwale, Seeigel und andere Meeresbewohner können im Doberg-Museum bewundert werden.
So ärgerlich die vorhandenen Baumängel auch sind, bei den Auseinandersetzungen über ihre Beseitigung und die Trägerschaft des Museums sollte die eigentliche Bedeutung des Doberg-Museums mit seinen einmaligen erdgeschichtlichen Zeugnissen im Vordergrund stehen. Die Entscheidungsträger stehen in der Verantwortung, diese Zeugnisse und Kulturgüter auch nachfolgenden Generationen zu bewahren.
Daher mein Appell: Erhalten Sie das Doberg-Museum und nutzen Sie sein Potential, es zu einer Attraktion für Bünde und den gesamten Kreis zu entwickeln!
Wer stattdessen über Abriss und Aufgabe des Museums nachdenkt, liefert dem Bund der Steuerzahler eine Steilvorlage für den 1. Platz im nächsten Schwarzbuch über die Verschwendung von Steuergeldern.
Prof. Dr. Lutz Müller
32257 Bünde
(Neue Westfälische Bünder Tageblatt, Freitag 7. September 2007)
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