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Zeitgrabungen: Auf der Suche nach dem Gestern

Archäologisches Mit-Mach-Projekt des Dobergmuseums Bünde

Die spannende Welt der Archäologie konnte im Sommer 2008 auf dem Gelände des Bünder Museums erkundet werden! Mit jedem Zentimeter abgetragener Erde reisten die Kinder und Jugendlichen tiefer in die Vergangenheit. Anerkannte archäologische Methoden halfen, sie besser zu ergründen und zu verstehen.

Das Museum Bünde bot im Rahmen des Mit-Mach-Projekts "Zeitgrabungen" einstündige Aktionen (Pädagogikprogramme) an. Auf dem Foto rechts (von Patrick Menzel) hält Michael Strauß einen unspektakulär anmutenden Fund in der Hand, bei dem es sich nach ersten Erkenntnissen um eine Scherbe aus dem Spätmittelalter handelt. Bei den angebotenen Mit-Mach-Aktionen gab es noch manche Überraschung. Folgende Möglichkeiten bot das Museum an:

Mit-Mach-Aktion I (für Kinder von 4 - 8 Jahren)
Nach einer gemeinschaftlichen Ausgrabung wurde versucht, die Fundstücke zu erkennen und einzuordnen. Anhand von Bildern wurde der "Originalzustand" der Objekte rekonstruiert.

Mit-Mach-Aktion II (für Kinder und Jugendliche im Alter von 9 - 16 Jahren)
Nach einer Einführung in verschiedene Grabungstechniken und Erklärung der Grabungswerkzeuge wurde in Kleingruppen eine Grabungsfläche angelegt. Die Schülerinnen und Schüler erlernten dadurch das systematische archäologische Abgraben, das Bergen von Fundstücken, deren Erfassung und Kartierung.

Mit-Mach-Aktion III (für Kinder und Jugendliche im Alter von 9 - 16 Jahren)
Die jungen Grabungshelfer erlernten hier die systematische Begehung einer Geländeoberfläche. Dabei wurden die Sinne für steinzeitliche Fundstücke geschärft. Das ließ sich beim anschließenden Sammeln und Identifizieren unter Beweis stellen.

Nach dem Mit-mach-Projekt konnten die jungen Grabungshelfern Originalgrabungen in der näheren Umgebung besuchen und die auf dem Gelände des Bünder Museums gewonnenen Erfahrungen mit Experten diskutieren.

Informationen über weitere Planungen für Mit-Mach-Projekte und museumspädagogische Aktionen: Museum Bünde, Fünfhausenstr. 8-12, 32257 Bünde, Telefon (0 52 23) 79 33 00.


Schatzsuche vor der Museumstür

Neue Außenaktion: Schüler dürfen nach Reliquien der Vergangenheit schürfen

Bericht der NW Bünde vom 11.6.08 von Alexandra Buck (Fotos: Patrick Menzel)

Der Laie tritt archäologisch interessante Stücke zuweilen mit Füßen – und merkt das nicht mal. Die jungen Teilnehmer der neuen Grabungsaktion des Bünder Museums werden banal anmutende Scherben und Steine bald mit anderen Augen sehen. Denn bis September dürfen Schüler im Erdreich auf dem Museumsgelände nach Reliquien der Vergangenheit schürfen.

Und über eben jene Stücke stolpert der Gräber bisweilen vor dem ersten Spatenstich. Schon als Museumsleiter Michael Strauß die Grabungsfläche vom Rasen befreite, fand er unter anderem eine Tonscherbe aus dem Spätmittelalter. Strauß: „Auf jedem Rübenacker gibt’s Spannendes zu finden.“

Auf einer Fläche von acht mal vier Metern können sich die Jung-Archäologen auf Schatzsuche begeben. In die Tiefe gebuddelt wird allerdings nicht. Ist auch gar nicht nötig, denn schon die Splitter und Steine in den oberen Erdschichten erzählen spannende Geschichten. Strauß: „Wir finden hier von der mittelalterlichen Tonscherbe bis zu Gefäßen aus dem 17. bis 19. Jahrhundert viele interessante Dinge.“

Von Graben kann genau genommen keine Rede sein. Vielmehr schürfen sich die Schüler durch die Erdschichten. „Wir lehnen uns an professionelle Grabungsmethoden an“, sagt Strauß. Und die erfordern Disziplin von den jungen Gästen. Wilde Einzelaktionen wird es nicht geben. „Wenn ein Stück gefunden ist, muss die Grabungsfläche in Gänze auf die Ebene des Fundstücks abgetragen werden.“ Schließlich werden die Fundorte kartografiert und die Stücke untersucht.

15 Schüler ab 10 Jahren finden Platz auf der Grabungsstelle, die Aktion dauert pro Gruppe etwa eine Stunde. Kostenpunkt: 30 Euro. Doch Strauß plant auch Grabungen für jungere Kinder: „Für die ganz Kleinen werden wir inszenieren, also Fundstücke hinterlegen.“ Wem die Museumsgrabung Lust auf mehr gemacht hat, der kann sich anschließend Arbeiten an echten Ausgrabungsstätten anschauen. Zunächst geht es mit dem Bielefelder Archäologen Dr. Werner Best zur Tiefengrabung an der Werburg nach Spenge. Infos unter Tel. (0 52 23) 79 33 00.

(Neue Westfälische Bünder Tageblatt, Dienstag 11. Juni 2008)


Spektakulär wäre auch eine im Februar d. J. angedachte Grabungsausstellung in der Rotunde des Dobergmuseums gewesen. Weil aber zügig mit der Renovierung des Dobergmuseums begonnen werden soll und die Räume deshalb nicht belegt sein dürfen, wurde das Grabungsprojekt ins Außengelände des Museums verlagert.

Hier der Vorbericht der NW Bünde vom Februar:

Rekordverdächtiges Provisorium

Grabungsausstellung geplant - Höhlenausstellung schließt Ende Februar

Bericht der NW Bünde am 21.02.2008 von Tobias Heyer (Text und Foto)

Geplant war die Höhlenausstellung für zwei bis drei Monate. „Damit wollten wir eigentlich nur die Zeit bis zur Sanierung des Dobergmuseums überbrücken“, sagt Museumsleiter Michael Strauß. Doch deren Start zieht sich immer noch hin und so geht die Ausstellung nun in den zehnten Monat.

„Dass der Gang durch eine stockfinstere Höhle so viele Menschen anziehen kann, hätten wir anfangs nicht geglaubt“, so Michael Strauß. Doch jetzt soll endgültig Schluss sein, wird Ende Februar abgebaut, was vor einem Jahr eher als spontane Aktion mit viel Eigenarbeit aufgebaut wurde. Dabei setzt sich der Grundgedanke der Höhlenausstellung auch in der neuen Aktion fort. „Diese pädagogisch begleiteten Ausstellungen werden immer besonders gut besucht“, unterstreicht der Museumsleiter. So soll auch das neue Projekt von Pädagogen flankiert werden.

Zur Grabungsausstellung die Rotunde mit Erde füllen

„Wir werden die komplette Rotunde mit Erde ausfüllen“, erklärt Strauß den Inhalt der neuen Ausstellung. Dann entsteht hier eine Ausgrabungsstätte, die vom Archäologen Dr. Werner Best vom Landschaftsverband betreut wird. Drei verschiedene Erd- und Sandschichten sollen dann im Dobergmuseum aufgehäuft werden, erst mit der Harke, dann mit immer feineren Werkzeugen bis hin zum Pinsel sollen Ausstellungsbesucher arbeiten, ehe sie in den Erdmassen auf Objekte treffen werden. „Wir denken an Keramik, vielleicht auch an Mauerfundamente, an Pfostenlöcher“, zählt Michael Strauß auf.

Doch ehe Interessierte zu Schaufel und Pinsel greifen können, muss erst einmal die Grabungsstelle definiert werden. Vermessungen, das Festlegen eines Rasters und das Arbeiten mit dem Kompass zur Einordnung werden die ersten Arbeitsschritten sein, ehe mit den Grabungsarbeiten begonnen werden kann. Ist dann ein Objekt gefunden, wird es aber nicht gleich entnommen. Erst mal muss die genaue Lage festgehalten und die Karte aktualisiert, ehe zugegriffen werden kann.

Bei der Grabungsstätten-Ausstellung geht es aber nicht nur darum, wetterunabhängig in einem überdimensionalen Sandkasten noch Keramikscherben zu buddeln. Der wissenschaftliche Ansatz wird, nachdem hier erfolgreich geübt wurde, an echten Ausgrabungsstätten vertieft. „Gemeinsam mit Dr. Werner Best geht wird an Grabungsstätten des Landschaftsverbandes, das hier erlangte Fachwissen vertieft“, erklärt Strauß.

Wie lange diese Ausstellung im Dobergmuseum zum Mitmachen einladen wird, ist wieder einmal ungewiss. Denn streng genommen geht es auch hier darum, die Zeit bis zur Sanierung zu überbrücken.

Dabei bietet die Grabungsfläche einen großen Vorteil gegenüber einer Aktionen mit teuren Exponaten. „Wir erwarten, dass es mit dem Sanierungsstart sehr schnell geht, wenn erst einmal das grüne Licht gegeben wurde“, betont Michael Strauß. Dann sei es nur eine Frage der Muskelkraft, um schnell die Grabungsstätte per Schubkarre abzuräumen. „Wenn man die im Vergleich dazu zerbrechlichen Ausstellungsstücke einpacken muss, kann das länger als eine Woche dauern“, rechnet der Museumsleiter vor.

(Neue Westfälische Bünder Tageblatt, Donnerstag 21. Februar 2008)